Was ist Briefwahl?

Mit der Briefwahl können Sie bei einer Wahl in Deutschland Ihre Stimme abgeben, ohne am Wahltag persönlich im Wahllokal vor Ort sein zu müssen. Der Ablauf ist einfach: Sie beantragen kostenfrei die Briefwahlunterlagen bei Ihrer Stadt, füllen diese aus und lassen sie bis spätestens am Wahlsonntag um 18 Uhr Ihrer Gemeinde zukommen. Bequem, einfach und für jeden Wahlberechtigten möglich!

Vorteile der Briefwahl

Eine Briefwahl hat zahlreiche Vorteile, sowohl für Sie persönlich als auch für die Stärkung der Demokratie in Deutschland. Die Möglichkeit zur Wahl per Post erleichtert jedem Wahlberechtigten in der BRD die Teilnahme an der Wahl. So sorgt sie für eine insgesamt höhere Wahlbeteiligung, da nicht jeder am Wahltag zur Stimmabgabe vor Ort im Wahllokal erscheinen kann oder möchte.

Zu den Vorteilen der Briefwahl zählen:

  • Teilnahme an der Wahl trotz Alter

  • Teilnahme an der Wahl trotz Behinderung

  • Teilnahme an der Wahl trotz Krankheit

  • Teilnahme an der Wahl für Gefangene

  • Teilnahme an der Wahl bei Urlaubsreisen am Wahltag

  • Teilnahme an der Wahl trotz Verhinderung am Wahltag

  • Bequemlichkeit

  • Erledigung der Wahl zu einem weitgehend selbstgewählten Zeitpunkt

Die Briefwahl ermöglicht somit Flexibilität und sorgt somit dafür, dass wirklich jeder wählen gehen kann.

Das Recht auf Briefwahl

Wahlen in Deutschland basieren auf mehreren Wahlrechtsgrundsätzen. Dazu gehören:

  • Allgemeinheit der Wahl: Das Wahlrecht steht jedem (volljährigen und mündigen) Staatsbürger zu – unabhängig von Alter, Geschlecht, Bevölkerungsgruppe, Berufsgruppe, politische Strömung, etc.

  • Unmittelbarkeit der Wahl: Wähler stimmen immer persönlich und ohne Wahlmänner ab – eine sogenannte „direkte Wahl“.

  • Freiheit der Wahl: Die Wahlvorschläge sind frei und nicht vorgegeben und es wird garantiert, dass das Wahlrecht wahrgenommen werden kann und eine Möglichkeit der Auswahl besteht.

  • Gleichheit der Wahl: Alle abgegebenen Stimmen sind gleich viel wert, unabhängig von Bildung, Qualifikation oder Gesellschaftsschicht des Wählers.

  • Wahlgeheimnis: Die Wahl ist geheim, um die Unbeeinflussbarkeit des Wählers sicherzustellen. Im Wahllokal wird dies beispielsweise durch die blickdichte Wahlkabine, das Falten den Wahlzettels und den Einwurf in die Urne sichergestellt.

Die Briefwahl wurde zur Bundestagswahl 1957 eingeführt, um den ersten Wahlrechtsgrundsatz, die „Allgemeinheit der Wahl“, sicherzustellen. In der BRD soll jeder Wahlberechtigte die Gelegenheit haben, möglichst einfach zu wählen.

Ursprünglich war die Briefwahl daher als Wahlalternative für Kranke, Senioren und Behinderte gedacht, die nicht ohne Weiteres vor Ort im Wahllokal erscheinen konnten. Heutzutage erfreut sich die Briefwahl jedoch auch bei Unversehrten zunehmender Beliebtheit – besonders in Großstädten und im Westen von Deutschland.

Ein Faktor für den Erfolg der Briefwahl ist sicherlich der Wegfall der Begründungspflicht im Jahr 2008. Ursprünglich musste die Briefwahl nämlich begründet werden. So versuchte man, das Problem zu vermeiden, dass bei der Briefwahl nicht sichergestellt werden, dass der Wähler wirklich frei und unbeeinflusst seine Stimme abgeben kann.

Am 17.3.2008 wurde jedoch die Abschaffung der Antragsgründe für die Briefwahl beschlossen, um den Zugang zur Briefwahl – und somit zur Stimmabgabe – einfacher zu machen und die Wahlbeteiligung zu erhöhen. Geänderte Lebensumstände wie die zunehmende Mobilität der Bürger und die Erwartungshaltung, Bürgerrechte auch bequem von zu Hause aus wahrnehmen zu können, waren wichtige Aspekte bei dieser Entscheidung.

Anteil der Briefwahl-Nutzer

Die Briefwahl wurde im Laufe der Jahre immer beliebter und mauserte sich von der Sonderlösung zu einer beinahe alltäglichen Variante zur Wahl. Bis in die 1990er Jahre betrug der Anteil der Briefwähler meist um die 10 %; anschließend stieg der Anteil der vorgezogenen Wahlen rasant. Im Jahr 2013 erfolgte fast ein Viertel aller Wahlen per Briefwahl. 2017 war es beinahe ein Drittel.

Interessant ist, dass knapp die Hälfte als vorgezogene Urnenwahl durchgeführt wurden; die andere Hälfte der Wahlen fand per Post statt.

Die folgende Liste zeigt die Anteile der Briefwahl-Nutzer an der Wählerschaft bei der Bundestagswahl bis 2017 (Quelle: Bundeswahlleiter):

  • Bundestagswahl 1957: 4,9 %

  • Bundestagswahl 1965: 7,3 %

  • Bundestagswahl 1969: 7,1 %

  • Bundestagswahl 1972 : 7,2 %

  • Bundestagswahl 1976: 10,7 %

  • Bundestagswahl 1980 : 13,0 %

  • Bundestagswahl 1983: 10,7 %

  • Bundestagswahl 1987: 10,9 %

  • Bundestagswahl 1990: 9,8 %

  • Bundestagswahl 1994: 13,4 %

  • Bundestagswahl 1998: 16,0 %

  • Bundestagswahl 2002: 18,0 %

  • Bundestagswahl 2005: 18,7 %

  • Bundestagswahl 2009: 21,4 %

  • Bundestagswahl 2013: 24,3 %

  • Bundestagswahl 2017: 28,6 %

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