Wir berichten seit vielen Jahren von der Briefwahl. Wir schreiben über die Vorteile, den Ablauf, Statistiken und vieles mehr. In diesem Artikel sprechen wir aber nicht mehr nur über die Briefwahl.
Wir haben uns mit einer langjährigen Briefwählerin zusammengesetzt und ihr einige Fragen gestellt. Wir wollten wissen, was in der Praxis die größten Vorteile der Briefwahl sind, wie es mit dem Vertrauen ausschaut und ob sie schon mal Probleme bei der Briefwahl hatte. Die spannenden Antworten lest ihr im Interview.
1. Wählst du immer per Brief?
Ja, ich wähle immer per Brief. Das ist für mich am unkompliziertesten. Ich kann mir in Ruhe die Wahlliste anschauen und meine Kreuze setzen. Außerdem bin ich nicht an ein Datum gebunden, das ist praktisch, falls man am Wahltag verplant sein sollte.
2. Wann war deine erste Briefwahl und warst du überhaupt schon mal in einem Wahllokal?
Ich glaube, meine erste Briefwahl war 2017 die Landtagswahl in NRW. Seitdem wähle ich auch immer per Brief.
2013 war ich das erste und einzige Mal in einem Wahllokal wählen, das war zur Bundestagswahl.
3. Hattest du jemals Probleme mit den Unterlagen oder dem Versand?
Nein, da war bisher immer alles in Ordnung mit. Wenn ich die Briefwahl beantragt habe, sind die Unterlagen immer angekommen. Es war auch immer noch genug Zeit bis zum Wahltag, sodass der Brief rechtzeitig ankommen würde.
4. Vertraust du darauf, dass die Briefwahl sicher ist? Wieso?
Eigentlich hatte ich immer Vertrauen darin, dass die Institutionen, die an der Briefwahl beteiligt sind, das alles nach besten Standards organisieren. Die letzte Bundestagswahl hat mich daran allerdings zweifeln lassen.
Ich habe mitbekommen, dass diverse Briefkästen für die Wahlunterlagen überfüllt waren und die Briefe nicht mehr eingeworfen werden konnten oder teilweise Briefe aus den Kästen herausgeschaut haben, sodass jeder einfach hätte reingreifen können. Das finde ich schon bedenklich. Einer unserer Wahlgrundsätze lautet ja „geheim“, das ist unter solchen Bedingungen nicht mehr gegeben.
5. Wie stehst du dazu, dass manche Menschen der Briefwahl gegenüber kritisch sind?
Ich kann es verstehen. Wenn es Wahlbezirke gibt, in denen Briefkästen überfüllt sind und man dadurch fürchten muss, dass der Brief - und damit die eigene Stimme – vielleicht verloren geht, ist eine gewisse Skepsis durchaus angebracht.
Aber das ist ja eher ein lokales Problem und liegt nicht an der Briefwahl an sich. Ich habe schon Vertrauen darin, dass bei der Auszählung durch die Behörden alles richtig läuft. Zu kritisch sollte man meiner Meinung nach nicht sein.
6. Was würdest du sagen: Welche Personengruppen profitieren besonders von der Briefwahl?
Ich denke, vor allem profitieren die Menschen, die durch verschiedenste Umstände am Wahlsonntag nicht wählen können. Das können kranke oder alte Menschen sein, aber auch Menschen, die am Sonntag arbeiten müssen.
7. Wie läuft das bei dir ab: Wann und wo füllst du den Wahlzettel aus? Machst du das nebenbei oder nimmst du dir bewusst Zeit dafür?
Ich nehme mir bewusst Zeit dafür. Ich beschäftige mich mit verschiedenen Parteien und ihren Wahlprogrammen und benutze den Wahl-O-Mat schon Wochen vor der Wahl.
Wenn ich die Unterlagen dann vor mir habe, schaue ich mir alles an, aber ich habe schon vorher entschieden, welche Kreuze ich setzen möchte.
8. Gibt es etwas, das aus deiner Sicht bei der Briefwahl verbessert werden könnte?
Ich denke, es sollten viel mehr Briefkästen zur Verfügung stehen. Vielleicht könnte man vor jedem Wahllokal so einen Briefkasten aufstellen. Da könnte man dann ggf. selbst hinlaufen und den Brief einwerfen, wenn man dem Postweg eher kritisch gegenübersteht. So geht man auf jeden Fall sicher, dass der Brief rechtzeitig im offiziellen Briefkasten gelandet ist.

