Wir berichten auf unserem Blog von allen möglichen Themen rund um die Briefwahl. Was dabei natürlich nicht fehlen darf, ist die Auszählung. Als normaler Wähler oder als normale Wählerin habt ihr bestimmt eine grobe Vorstellung davon, wie das abläuft.
Damit ihr bald alle Hintergründe kennt, haben wir ein Interview mit einer Wahlhelferin geführt. Sie war bei den Kommunalwahlen 2025 in einem Wahllokal in Nordrhein-Westfalen bei der Auszählung der Stimmen dabei. Welche Eindrücke sie dabei gewonnen hat, erfahrt ihr hier.
1. Wie ist der Ablauf beim Auszählen der Stimmen?
Also erstmal kann mit dem Auszählen der Stimmen erst begonnen werden, wenn die Wahl vorbei ist. Um 18 Uhr wird also das Wahlbüro geschlossen. Dann werden alle Umschläge aus der Urne genommen. Und dann kommt es so ein bisschen darauf an, um welche Wahl es sich handelt.
Bei der letzten Wahl, bei der ich dabei war, wurde für mehrere Dinge gleichzeitig abgestimmt, weil es ja eine Kommunalwahl war. Da wurden die Stimmen erstmal nach Kategorie sortiert: Alle Stimmen für die Oberbürgermeister auf einen Haufen, alle Stimmen für den Kreistag auf einen Haufen und so weiter. Die Umschläge werden dann aufgemacht und die Gültigkeit wird geprüft. Danach wird sortiert.
Die Wahlhelfer tun sich dann in Zweierteams zusammen. Dann werden alle Stimmen pro Partei oder Kandidat ausgezählt. Also zum Beispiel fange ich damit an, alle Stimmen für die Grünen zu zählen. Das Ergebnis schreibe ich mit Bleistift auf.
Wenn ich damit durch bin, zählt der andere Wahlhelfer die Stimmen für die Grünen dann auch nochmal aus und notiert sein Ergebnis. Dann gleichen wir die Werte ab. So werden alle Stimmen doppelt geprüft.
Wenn wir unterschiedliche Ergebnisse haben, muss nochmal gezählt werden. Das macht man eben so lange, bis es passt. Das finale Ergebnis wird dann offiziell vermerkt.
Und dann geht es eben mit der nächsten Partei weiter, bis wir alle Stimmen durchhaben. Wenn alle Stimmen ausgezählt sind, kommen die Ergebnisse und die Stimmzettel in einen Koffer und werden weitergegeben. Damit endet dann unsere Aufgabe als Wahlhelfer.
2. Weißt du auch, wie und wo die Briefwahlstimmen ausgezählt werden?
Ja, bei uns war das so, dass die Briefwahlstimmen direkt im Rathaus ausgezählt worden sind. Da kommen sie ja auch an. Auch die Stimmen, die in den Briefkasten vom Rathaus eingeworfen werden, werden direkt vor Ort ausgezählt. Das passiert aber auch erst, wenn die Wahl vorbei ist.
Dafür gibt es dann besondere Briefwahlteams. Dort bin ich aber noch nie gewesen. Ich denke aber, dass die Auszählung genauso abläuft wie bei uns im Wahllokal.
Am Ende werden dann alle Zahlen – aus den Wahllokalen und den Briefwahlteams – zusammengerechnet. Daraus ergibt sich dann das Wahlergebnis aus dem jeweiligen Wahlkreis.
3. Müsst ihr viele Stimmen aussortieren, weil sie ungültig sind (zu viele Kreuze gesetzt, Stimmzettel bemalt etc.)?
Also in unserem Wahlbezirk kann ich mich nur an eine einzige ungültige Stimme erinnern. Da war das Kreuz falsch gesetzt. Aber ansonsten waren alle Stimmen gültig. Das kann aber natürlich immer mal vorkommen, wenn Leute Beleidigungen auf den Wahlschein schreiben, oder einfach mehrere Kreuze setzen. Davon habe ich schon gehört.
4. Ist es möglich, bei der Auszählung im großen Stil zu betrügen?
Nein, meiner Meinung nach ist das nicht möglich. Es sind ja mehrere Menschen vor Ort. Bei uns waren es ungefähr 10. Und ich würde auch sagen, dass das keine Menschen waren, die betrügen wollen.
Man arbeitet ja in Zweierteams und alles wird doppelt ausgezählt. Da müssten sich schon mehrere Menschen zusammentun.
Wenn alle Stimmen ausgezählt sind, werden die Stimmzettel, die Ergebnisse und die Protokolle in einen Koffer gelegt und weitergegeben. Dort werden diese auch nochmal kontrolliert.
Also ich bleibe dabei, dass große Betrügereien beim Auszählen nicht möglich sind. Das gilt sowohl für die Briefwahlstimmen als auch für die Stimmen, die im Wahllokal abgegeben werden.
5. Wieso hast du dich dafür entschieden, als Wahlhelferin zu arbeiten, obwohl es ja kein Geld dafür gibt, oder?
Ich wurde von meiner Mutter quasi angeworben, könnte man sagen. Sie war vor mir auch schon ein paar Mal als Wahlhelferin beim Auszählen der Stimmen dabei.
Und bei uns gab es tatsächlich Geld dafür. Das waren um die 50 Euro. Das ist natürlich schon ein kleiner Anreiz.
Aber ich persönlich fand es einfach interessant zu sehen, wie das so abläuft. Mir macht sowas auch einfach Spaß, deshalb wollte ich mal dabei sein.
6. Erhaltet ihr wenigstens Verpflegung beim Auszählen der Stimmen?
Nein, also so wirklich Verpflegung im Sinne von belegten Brötchen oder kostenlosem Wasser gab es nicht. Dafür sind eben diese 50 Euro gedacht. Das nennt sich auch „Erfrischungsgeld“.
Bei uns war das so, dass einfach jeder Kekse und Kaffee mitgebracht hat, für sich und die anderen Wahlhelfer. Das wurde dann geteilt und alle waren verpflegt. Ich hatte mir einfach Wasser und ein paar Snacks mitgebracht.
7. Wählst du persönlich auch per Brief oder vor Ort im Wahllokal?
Ich wähle immer per Brief – das ist mir einfach sicherer. Es kann immer mal sein, dass man am Tag der Wahl krank ist oder spontan verreist. Oder was, wenn mein Sohn plötzlich krank ist und ich zuhause bleiben muss? Deshalb mache ich das lieber schon vorher und kann mir sicher sein, dass auch wirklich nichts dazwischenkommt.
8. Wirst du bei der nächsten Wahl wieder als Wahlhelferin dabei sein?
Ja, ich würde sehr gerne wieder dabei sein und die Auszählung der Stimmen begleiten.

